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Privacy Shield gekippt: Was bedeutet das für deine Website?

Im Juli 2020 hat der Europäische Gerichtshof das Privacy Shield für ungültig erklärt. Was bedeutet das für deine Website und welche US-Dienste du nutzt?

Was war das Privacy Shield?

Das Privacy Shield war ein Abkommen zwischen der EU und den USA. Es ermöglichte den Datentransfer in die USA unter der Annahme, dass dort ein "angemessenes Datenschutzniveau" herrscht.

Das Problem: Der EuGH stellte fest, dass US-Geheimdienste zu weitreichenden Zugriff auf Daten haben – und EU-Bürger keine Rechtsmittel dagegen haben.

Welche Länder sind "sicher"?

Die EU hat einigen Ländern ein angemessenes Datenschutzniveau bescheinigt:

  • Schweiz
  • Japan
  • Kanada
  • Israel
  • Neuseeland
  • Argentinien

Nicht auf der Liste: USA, China, Russland, Indien

Was bedeutet das für deine Website?

Wenn du US-Dienste nutzt, brauchst du eine Rechtsgrundlage für den Datentransfer:

Betroffene Dienste (Beispiele)

  • Google Analytics
  • Google Fonts (extern geladen)
  • YouTube
  • Facebook Pixel
  • Mailchimp
  • AWS (US-Region)
  • Cloudflare

Mögliche Lösungen

1. US-Dienste vermeiden

Die sicherste Option: Europäische Alternativen nutzen.

US-DienstEU-Alternative
Google AnalyticsMatomo, Plausible
MailchimpSendinblue, CleverReach
AWS USAWS Frankfurt, Hetzner
Google FontsSelbst hosten

2. Standardvertragsklauseln (SCCs)

Viele Anbieter haben mittlerweile SCCs implementiert:

AnbieterStatus
GoogleSCCs implementiert
AWSSCCs verfügbar
MailchimpSCCs verfügbar
MicrosoftSCCs implementiert

Achtung: SCCs sind umstritten und könnten ebenfalls gekippt werden.

3. Einwilligung einholen

Für nicht-essentielle Dienste: Explizite Einwilligung per Cookie-Banner.

4. Auf EU-Server wechseln

Manche US-Anbieter haben EU-Rechenzentren. Das allein reicht aber nicht – der Anbieter unterliegt trotzdem US-Recht.

Was du jetzt tun solltest

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Welche externen Dienste nutzt deine Website?

  • Tracking-Tools
  • Schriftarten
  • Videos
  • Newsletter
  • Hosting

Schritt 2: Risiko bewerten

Für jeden Dienst prüfen:

  • Ist der Anbieter in den USA?
  • Gibt es SCCs?
  • Gibt es EU-Alternativen?

Schritt 3: Handeln

Priorität nach Risiko:

  1. Hoch: Tracking ohne Consent → Consent einführen oder ersetzen
  2. Mittel: Hosting bei US-Anbieter → Evaluieren
  3. Niedrig: YouTube eingebettet → Mit Consent-Lösung absichern

Schritt 4: Dokumentieren

  • Datenschutzerklärung aktualisieren
  • Verarbeitungsverzeichnis anpassen
  • Neue Rechtsgrundlagen dokumentieren

Praktische Tipps

Google Fonts selbst hosten

<!-- Statt extern laden -->
<link href="https://fonts.googleapis.com/..." rel="stylesheet">

<!-- Selbst hosten -->
<link href="/fonts/open-sans.css" rel="stylesheet">

Tool: google-webfonts-helper.herokuapp.com

YouTube datenschutzfreundlich einbetten

<!-- Standard (trackt sofort) -->
<iframe src="https://www.youtube.com/embed/VIDEO_ID">

<!-- Datenschutzmodus -->
<iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/VIDEO_ID">

Fazit

Das Ende des Privacy Shield erfordert ein Umdenken beim Einsatz von US-Diensten. Die gute Nachricht: Für die meisten Anwendungsfälle gibt es europäische Alternativen oder rechtskonforme Lösungen.

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Du bist unsicher, wie deine Website aufgestellt ist? Kontaktiere mich – ich analysiere das gerne für dich.